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Textuelle Kleinode der Homophobie I
Oh Gott, ich treibe mich zu oft in den SPON-Foren rum... was man dort in (ganz grob geschätzt) jedem zweiten Beitrag entdeckt, sind wunderschöne Sätze, vollgepackt mit homofeindlichen Vorurteilen, Denkbarrieren, Irrationalitäten und Ungerechtigkeiten. Es wird Zeit, den schlimmsten, den vordergründig subtilsten, den "eigentlich habe ich nichts gegen Schwule, aber" Wortabfall aus dem Web zu sammeln, vielleicht zu kommentieren, jedenfalls in seiner geballten Dummheit auszustellen.
Wenn Schwule unbedingt rechtlich zum Normalo (mit Ehe und Familie) werden sollten, frage ich mich, ob dann auch der Quatsch mit dem "Christopher Street Day" aufhört.
Weil nur rechtlich Unnormale demostrieren dürfen? Oder wie jetzt?
Meinetwegen sollen Homos heiraten können, aber sie sollten keine Kinder erziehen dürfen. Für Kinder sollten Eltern eigentlich Vorbilder sein. Diese Kinder werden gleich zu Homos erzogen, wenn sie nichts anderes sehen. Auch wenn gesagt wird, das hätte der jeweilige Mensch schon von Geburt an in sich. Glaub ich nicht. Wie denn dann, wenn einige Jahrzehnte in einer Heteroehe glücklich sind und plötzlich müssen sie den letzten Kick auch noch ausprobieren.
Ach ja, das alte Lied: Homosexualität als extravaganter Lebensstil, für den man sich aus selbst- und spaßsüchtigen Gründen entscheidet. Dass jemand nach einigen Jahrzehnten in einer Heteroehe sein Coming Out hat, kann nicht zufällig mit einer intoleranten Gesellschaft zu tun haben, in der man sich einfach nicht traut, seine Identität preiszugeben? Nein, das kann's nicht sein...
Kein gesunder Mensch käme auf die Idee, Menschen für Fäkalienspielchen einen Steuerrabatt zu geben.
Okay, das ist eigentlich nur noch amüsant...
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Recht zum Aussterben
Katharina Reiches (CDU) Auftritt bei Günther Jauch letztens hat mir zu Denken gegeben. Nicht nur, dass sie hinter ihrer unerträglichen Nettigkeit jegliches Persönliche, jegliche Meinung unterdrückt, sie hat aber auch wieder einige Argumente rosenkranzmäßig runtergebetet, die ich nie verstand. Den Homosexuellen wird ja gerade von konservativer und christlicher Seite oft vorgeworfen, sie könnten keine Kinder produzieren und das sei DAS Problem. Mal ganz abgesehen davon, dass Homosexuelle dies natürlich könnten und dass diese Kritik ungewöhnlicherweise nicht mit der gleichen Energie auch an Singles, Rentner und Zeugungsunfähige gerichtet wird, geht sie zudem noch gegen alles, was ich als fundamentale Errungenschaften des Rechtsstaates verstehe. Und in diesem Staat steht das Individuum im Mittelpunkt und sein Recht, zu tun und zu lassen, was es will (oder was es muss - sexuelle Identität ist keine Entscheidung), solange es niemand anderem schadet. Ein Schadensverbot gibt es, aber keine Pflicht, die Gesellschaft langfristig zu fördern. Und das ist gut so. So wie ich die Menschenrechte verstehe, enthalten sie auch das Recht, aktiv am Aussterben der Menschheit mitzuwirken. Ja, das ist die radikale Schönheit am modernen Rechtsstaat. Und damit verstehe ich auch das ganze Gezetere um die Ehe nicht: Es gibt keine Kinderzeugungspflicht in Deutschland und jedes heterosexuelle Paar kann unabhängig davon, ob es Kinder zeugen kann oder will, heiraten. Und so kommt das nächste Menschenrecht ins Spiel, nämlich dass der rechtlichen Gleichbehandlung. Da die Ehe in Deutschland nicht ans Kinderbekommen gebunden ist, gibt es keinen Grund, Homosexuellen diese Institution zu verwehren. Ich als Schwuler würde mich aber auch damit zufrieden geben, wenn heterosexuellen Zeugungsunfähigen (Rentner, Sterile etc.) und Zeugungsunwilligen das Heiraten verboten wird. Schließlich, so Frau Reiche, ist die Ehe allein dazu da, Kinder in die Welt zu setzen. Nicht mehr und nicht weniger. Die heterosexuellen Zeugungsunfähigen und Zeugungsunwilligen können ja eine Lebenspartnerschaft schließen. Falls sie sich dadurch ungerecht behandelt fühlen sollten, haben sie vielleicht einen Eindruck davon, wie es den Homos so geht...
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Comic IV: Doppelstandard
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Harlem Shake
Ich finde das neuste Internet-Mem ziemlich öde und fast alle bisher gesehenen Umsetzungen uninspiriert und ideenlos. Aber bei dieser Version gibt es wenigstens herumhuppende Pimmel. (So geht es also in Gemeinschaftsduschen zu? Mh, diese heterosexuellen Männer sind fürwahr merkwürdige Zeitgenossen...)
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Comic III: Augmented Reality
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Comic II: Nicht ausgesucht
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Am Urinal... oder: Locker-Room-Dynamics
Nein, dies hier wird keine Geschichte vom obergeilen Schwulen, der sich im Pissoir nach Riesenschwänzen umschaut, um sie dann durchs Glory Hole genüsslich abzuschlecken. Entgegen des modernen Mythos wollen die meisten Homos nämlich nur das Eine auf dem Klo: Pullern. Ich will in diesem Text mein Verhältnis zu all den Situationen klären, in denen Männer ihre Schwänze bereitwillig in freier Sichtbahn hängen lassen, am Urinal, im Umkleideräume, in der Gemeinschaftsdusche, in Saunen usf. Okay, das Verhältnis ist schnell beschrieben: Es gibt keines. Ich habe es bisher eigentlich immer gemieden, mir die Blöße vor anderen Männern zu geben. Ich stelle mich selten ans Urinal - ich wäre eh gehemmt, wenn da jemand neben mir stände, und würde keinen Tropfen rausbekommen. (Am besten sind diese länglichen Urinal-Tröge, wo die Pimmel wie Kühe aufgereiht sind.) Und einer der Gründe, lieber Zivildienst zu machen, sicher nicht nur für mich? Natürlich die Gemeinschaftsduschen bei der Bundeswehr...
Grund Nr. 1 für diese Vermeidungen: Scham. Ja, obwohl ich es besser wissen sollte, vernünftig sein sollte, wissen sollte, dass mein Penis und seine Größe nun wirklich keine Sau interessiert, habe ich trotzdem Angst vor der Möglichkeit, ausgelacht, angesprochen oder angestarrt zu werden. Der Körper hat da auch eine ganz perfide Strategie, mich in dieser Situation zu schützen: "Pump Blut rein, dann wird er größer!" Na bravo, besser kann's nicht werden. Mir ist es schon oft passiert, wenn ich so die Chance eines leeren Pissoirs genutzt und mich allein ans Urinal gestellt habe, dass allein die Vorstellung eines Nebenstehers zu einer Semierektion geführt hat. Und nein, sexuell motiviert ist das nicht. Wie schon gesagt: Ich bin da, um zu pullern. Wie man sieht, mit derlei wunderbaren psychosomatischen Fähigkeiten ausgestattet, kann jede peinliche Situation im Umkleideraum zu einem echten Knaller werden. Zugegeben, ich weiß zwar nicht, wie es da abläuft, aber falls es die typischen Locker-Room-Dynamics gibt (das Machogebahren, die homophoben Sprüche, das gegenseitige Aufziehen), dann ist es gut, dass ich ihnen bisher aus dem Weg gegangen bin.
Grund Nr. 2: Angst vor sexuellen Spannungen. Ja, ich wiederhole es gerne - für die meisten Schwulen haben all diese Situationen nichts Sexuelles. Der Mensch ist nun einmal auch ein pragmatisches Wesen und kann Lebensbereiche voneinander trennen. In der Gemeinschaftsdusche will man nach dem Sport sauber werden und sich nicht seine Partner aussuchen. Klar, es kann sicher einmal vorkommen, dass man den einen oder anderen Mitduscher sexy findet. (Aber Entwarnung für den verängstigten Hetero: Kein Homo wird dich unter der Dusche anspringen. Manchmal bist du halt ein Sexualobjekt für einen Schwulen - get over it!) Für mich als Ungeküssten und Unberührten ist das Verhältnis zu anderen Männerkörpern natürlich noch einmal 10.000-fach instabiler. Wer weiß, was da passiert. Das will ich nicht erleben! Meine Hemmungen, die sich seit meiner Pubertät herausgebildet haben, waren wohl frühe Anzeichen einer noch unbewussten Homosexualität. Ein unbewusstes Spüren, dass es zu sexuellen Spannungen kommen könnte. Ich denke mal, dass wird sich legen, wenn ich mal einen Freund und ein bisschen mit seinem Penis gespielt habe. Ich hoffe es, denn eigentlich finde ich dieses psychologische Affentheater total lächerlich. Was ich will, das ist im Locker-Room ganz locker und entspannt sein. Was man will, das ist aber manchmal nicht das, was man kann...
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